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Gedanken zur Veränderung

Januar 8, 2012

Gedanken zur Veränderung

Veränderung? Die erste Frage, die sich aufdrängt, ist warum denn überhaupt Veränderung?

Man könnte jetzt rein kalkulatorisch antworten, dass mit einem weltweit jährlichen Wirtschaftswachstum von 5-10% (alleine der Aktienindex der Bric-Staaten mit Brasilien, Russland, Indien und China hat seit 2002 um 250% zugelegt) die Ressourcen (Ressource als materielles oder immaterielles Mittel) bei einer derzeitigen Weltbevölkerung von 7 Milliarden bald am Ende sind.

Oder man könnte einfach das Bauchgefühl vieler Menschen unserer Gesellschaft heranziehen. Dieses Gefühl hat Düringer treffend folgendermaßen beschrieben: wir sitzen in einem hölzernen Leiterwagen ohne Bremsen und dieser rollt langsam eine abschüssige Straße hinunter; dabei wird er immer schneller; jeder fühlt, dass es ein schreckliches Ende nimmt. Es sollten die Leute in dem Leiterwagen rechtzeitig abspringen; das wird nicht ohne Verletzungen und Schrammen abgehen, aber es würde sie retten.

Also kommen wir offensichtlich um eine drastische Veränderung nicht umhin. Die nächste Frage, die sich stellt, ist, ob eine Veränderung überhaupt noch eine Chance auf die Rettung unseres Systems hat, oder ob es dafür bereits zu spät ist. Diesbezüglich möchte ich zwei berühmte Menschen zitieren.

Ersterer ist Carl Wolmar Jakob von Uexküll, Stifter des „Alternativen Nobelpreises“ (Right Livelihood Award) und Gründer des World Future Council (Weltzukunftsrat). Er sagt, alle Lösungen für eine Veränderung hin zur Nachhaltigkeit liegen in Form der Vorschläge seiner alternativen Nobelpreisträger auf dem Tisch. Es gilt sie nur mehr umzusetzen, das ist die Lösung. Nachdem er erkannte, dass sich trotz der dargebotenen Lösungen nicht viel tut, gründete er eine Akademie, an der man die politische Umsetzung von Lösungen lernen kann; Motto: engagiere dich politisch, das ist die einzige Chance, in einer Demokratie etwas zu bewirken.

Interview: http://planet-interview.de/interview-jakob-von-uexkuell-08122008.html

Dort stehen wir jetzt und wir werden sehen, ob er damit recht behält oder wie sich die Welt weiter entwickelt.

Zweiterer ist Dennis L. Meadows, genannt der Vater der Nachhaltigkeit (Club of Rome Study: Die Grenzen des Wachstums, Mitglied des Club of Vienna). Er behauptet, für eine das System rettende Veränderung ist es bereits zu spät. Die Lage ist bereits so vertrackt, dass wir unweigerlich auf einen Zusammenbruch hinsteuern. Er empfiehlt deshalb, sogenannte Inseln der Nachhaltigkeit zu bilden (wie kleine Regionen mit eigenem Geld, die sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen können), denn diese haben eine Chance, in dem sich abzeichnenden Szenario zu überleben.

Interview: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/1590949/

Also selbst berühmte Experten einer nachhaltigen Welt sind sich über die Chancen einer Veränderung nicht einig. Einig sind sie sich jedoch in den Möglichkeiten einer nachhaltigen Verhaltensweise auf dieser unserer Erde. Wenn wir also nicht untätig herumsitzen und auf das Chaos warten wollen, dann sollten wir über unsere Möglichkeiten nachdenken. Zuerst, was kann denn in unseren Gesellschaften solche großen Veränderungen wie Konsumverzicht, drastische Reduktion des Energieverbrauchs, fairer Umgang mit den Menschen und der Natur, usw. auslösen. Aus der Medizin und Psychologie wissen wir, dass für eine langfristige Verhaltensänderung zuerst die Intensität von zwei Gefühlen verantwortlich zeichnet: das negative Gefühl des derzeitigen Zustands und das wohltuende Gefühl des kommenden Zustands. Erst wenn beide stark genug sind, dann kommt es zu Veränderungen. Wenn z.B. nur das Unbehagen gegenüber der Gegenwart groß ist, aber keine Vision für eine bessere Zukunft, dann wird der Schritt zur Veränderung nicht gemacht. Andererseits, wenn die Gegenwart nicht genug schmerzt, warum soll man sich dann den Schmerz der Veränderung antun? Also gehören beide Faktoren psychologisch gesehen zusammen, um umzudenken und entsprechend zu handeln. Ein Freund sagt immer, solange die Supermärkte noch vor Waren überquellen, wird sich nichts ändern.

Es gibt jedoch aus der Forschung in der Tierwelt ein Phänomen, das Hoffnung aufkommen lässt: die sogenannte kritische Masse. Man hat beobachtet, dass, wenn in einer Affenkolonie 10% der Affen plötzlich beginnen in eine Richtung zu laufen dann die ganze Kolonie mitläuft. Auf unser Beispiel mit dem Leiterwagen umgelegt, wenn 10% der Mitfahrer so mutig sind, abzuspringen, werden es die anderen 90% vielleicht auch tun. Jedenfalls ist es absolut notwendig, dass zumindest 10% abspringen und nicht nur über das Abspringen reden. In die Realität umgelegt heißt das, jeder von uns, der sich zu den visionären 10% rechnet, sollte in seinem Leben für beispielhafte Nachhaltigkeit sorgen. Denn dann dient er als Vorbild und andere können sich an seinen greifbaren Taten anhalten.

Die letzte Frage, die sich stellt, ist wieder nur eine hypothetische. Wird eine gewüschte Veränderung schnell genug greifen, um ein drohenden Chaos abzuwenden? Es ist nicht sinnvoll, sich endlosen Diskussionen und Phantasien hinzugeben, uns bleibt ohnehin nichts übrig, als möglichst schnell mit der Umsetzung zu beginnen und unser Bestes zu tun. Zumindest besteht die Chance, dass wenn die ganze Affenkolonie zu laufen beginnt, es dann ziemlich schnell gehen kann.

Um wieder auf unsere Celebrities der Nachhaltigkeit zurückzukommen; je mehr von uns mit den Ideen der alternativen Nobelpreisträger von Uexküll Inseln der Nachhaltigkeit im Sinne von Meadows bilden, desto größer ist die Chance, eine kritische Masse zu werden und die gewünschte Veränderung zu bewirken. Dabei bewegen wir uns in den von uns geschätzten und wichtigen demokratischen Grundsätzen und können so für eine lebenswerte Welt für uns und unsere Kinder eintreten.

Gerhard Kögler, Arzt

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