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Der Irrsinn einer verlorenen Gesellschaft – Black Friday

Januar 11, 2012

Black Friday – so wird in den Vereinigten Staaten der erste Tag nach Thanksgiving bezeichnet. Da Thanksgiving immer auf den vierten Donnerstag im November fällt, gilt der darauffolgende Black Friday als Start in ein traditionelles Familienwochenende und Beginn der Weihnachtseinkaufssaison.

Was sich aber an diesem Tag in einer von Konsum abhängig gewordenen Gesellschaft wirklich abspielt ist schlichtweg unglaublich. Der Andrang auf die Geschäfte und die Hoffnung ein Schnäppchen zu ergattern (welches in einem Land auf der anderen Seite des Globus unter Dumping-Löhnen produziert wurde, mit krebserregenden Chemikalien belastet ist und mit einer Wahrscheinlichkeit von 99% in sechs Monaten im Müll landet) ist so immens, dass manche Geschäfte um 2:00 morgens öffnen, wenn nicht schon am Vorabend des Black Friday. Sobald sich die Türen öffnen, herrscht ein Szenario wie man es nur aus Katastrophenfilmen kennt:

Vollkommen rücksichtslos versucht eine Masse von Menschen ein Geschäft am Black Friday zu stürmen, dass dabei Menschen zu Boden stürzen und einfach überrannt werden scheint die Shopping-Freude nicht zu trüben. Sie benehmen sich wie eine Herde wildgewordener Tiere, dem Konsumwahn verfallen, moralisch völlig abgewirtschaftet, nur mehr ihren eigenen Trieben folgend, kaufen sie alles was sie sehen und stürzen sich auf den billigsten Plunder den sie finden. In einem Walmart in Los Angeles hat eine Frau Pfefferspray gegen Kinder eingesetzt, um diese von herabgesetzten Elektronikgeräten (es handelte sich dabei um eine X-Box) fernzuhalten, die sie zuerst haben wollte. 10 der Kinder hatten danach Atembeschwerden. Die Frau verschwand in der Menge, die unbeeindruckt über den Vorfall ihre Einkäufe weitertätigte.

An vielerlei Orten kam es zu Schlägereien, praktisch überall fielen laute Beschimpfungen unter den Kunden, wenn sich einer vordrängte und nicht vor der Kasse anstellen wollte. Im Kaufrausch war sich jeder selbst der Nächste und allen anderen Käufern feindselig gesinnt.

So absurd es auch scheint, ist es wirklich verwunderlich dass es soweit kommen konnte? Nach jahrzehnte langer Gehirnwäsche durch Massenmedien, durch Vermittlung von völlig falschen Wertigkeiten, durch aufdringliche Werbeplakate soweit das Auge reicht – nun ist es der Industrielobby gelungen, Konsumzombies zu schaffen, die Sachen kaufen, die sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben.

Es ist längst kein harmloser Zustand von dem die amerikanische Gesellschaft geprägt ist, dennoch scheint sich die Lage von Jahr zu Jahr zuzuspitzen. 2008 wurde ein Walmart Mitarbeiter von einer vor Gier ausser Kontrolle geratenen Menschenmasse zu Tode getrampelt – im gleichen Walmart erlitt eine schwangere Frau eine Fehlgeburt und 3 weitere Personen wurden verletzt. Grund genug für Walmart dem Shoppingwahn ein Ende zu setzen? Keineswegs, auch 2011 wurden die Türen um 10pm des Vorabends einer hysterischen Masse geöffnet.

Lässt man auf diese wahnsinnigen Einkäufer auch noch eine skrupellose Polizei los, erreicht die Absurdität des Black Friday ihren Höhepunkt.

Selbst dann finden sich noch einige Exemplare, die das Spektakel mit höchstintelligenten Kommentaren speisen, aber beurteilt selbst…

Unglaublich scheint es auch, wenn man sich vor Augen hält dass sich jeder einzelne aus freiem Willen am Black Friday stundenlang vor den Toren der Geschäfte angestellt hat. Keiner von ihnen litt unter Hunger, Durst oder sonstigen existentiellen Nöten; alle gut gesättigt vom traditionellen Truthahn am Vortag. Niemand von ihnen wurde unter Vorhalten einer Waffe oder Drohungen genötigt, sich der Masse anzuschließen. Alles geschah aus eigener Entscheidung.

Während die Medien und Zeugen im Zuge des Black Fridays von einer Massenpanik sprechen, verzeichnet die Wirtschaft Rekordeinnahmen und schreibt schwarze Zahlen in Milliardenhöhe – daher der Name „Black Friday“.

Die Videos und Berichte werfen bei mir viele Fragen auf. Was ist mit den Menschen passiert, dass sie ihre Empathie gegen ein Produkt eintauschen? Inwiefern kann man in einer industrialisierten Gesellschaft noch von einem freien Willen sprechen? Was ist passiert, dass nach solchen Ereignissen niemand aufschreit, auf die Straße läuft und auf den ganzen Irrsinn aufmerksam macht? Was ist passiert, und vor allem: WER hat das zu verantworten?

Fragen, die ich gerne mit den Lesern des Blogs diskutieren würde!

Viktoria, Medizinstudentin

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2 Kommentare leave one →
  1. Januar 13, 2012 11:49 pm

    danke für den artikel!
    völlig richtig, finde ich… Irrsinn…
    „die gesellschaft“ bringt sich im wahrsten sinne selbst um, sei es jetzt durch übergewicht, chemikalien in den billigschrott und allem sonst auch, konsumstress und -druck oder letztendlich durch eine kaufwütige menge, etc. man braucht gar nicht mehr hoffen, dass sie auf diese art bald zu ende geht, denn wenn das nicht letzte zeichen der letzten schwächlichen atemzüge eines sterbenden systems sind, dann weiß ich es auch nicht.

    nur denke und hoffe ich, das war der letzte black friday (zumindest dieser art)

    2012 werden zwangsweise veränderungen auf uns alle zukommen – der springende punkt ist nur, wie kanalisieren wir sie: durch stures, naives und trotziges festhalten am system (aufgrund des eigenen leugnens) und schlussendlich umso größeres leiden an dessen wandel, oder eben durch bewusste, informierte und freudige veränderung, angefangen beim eigenen leben und davon nach außen reichend, zur gestaltung einer lebenswelt, wie wir sie immer schon wollten und hätten haben sollen, bevor wir uns in diese sacke drängen ließen, vor allem durch die propaganda, gehirnwäsche und konditionierung, wie du meiner meinung nach richtig sagst, der letzten fast 100 jahre. aber das ist eben mein punkt. sehen wir an dem schwarzen beispiel des black friday das positive, in dem es wunder genau etwas ausdrückt, was es in zukunft zu vermeiden gilt und konzentrieren wir uns in weiterer folge auf die konstruktiven alternativen modelle. so sieht zumindest meine idee einer besseren welt aus, ohne die notwendigkeit des und die zwanghafte fixierung auf konsum in einer produkt- und marketingrealität, dafür mit fokussierung auf erfüllendere tätigkeiten, empathie, rücksicht, gemeinwohlorientierung, etc. denn nur so kann es einem selbst gut gehen, im kleinen rahmen, wenn anderen gutes getan wird, wie auch im großen, sozialen, gesellschaftlichen rahmen, wenn sich alle um ein system (wenn es denn überhaupt eines bedarf) bemühen, in dem es allen gleichermaßen gut geht als voraussetzung.

    wer hat das zu verantworten? ich denke, wir alle, zumindest zu einem großen teil. denn die geheimen manipulateure wir auch all die anderen räder in der konstruierten matrix des kontrollsystems, das über unseren gesellschaften hängt, in politik, finanz und wirtschaft, sind letztendlich leute wie wir. wiederum, ihre machenschaften kommen bzw sind schon ans tageslicht gerückt (obwohl es essentiell ist, immer mehr menschen davon zu informieren), das heißt, konzentrieren wir uns neben unserer abneigung dafür auch auf die positiven alternativen und nehmen somit unsere verantwortung wahr. denn es bleibt uns sowieso nichts anderes übrig, es ist, wie es im moment halt ist, und wenn wir veränderung wollen, dann müssen wir etwas dafür tun, in die hände spucken, bei uns selbst beginnen und vor allem das alte, dh bisherige, abgelehnte system nicht mehr unterstützen!

    matthias

  2. Januar 23, 2012 8:39 pm

    Ganz wie du sagst – BE THE CHANGE lautet das Motto. Bruce Lipton hat in seinem Buch „Intelligente Zellen“ etwas so simples wie geniales festgehalten – bei seinen Forschungen mit Zellkulturen hat er sich an folgendem Grundsatz orientiert: „Gehts der Zelle nicht gut, such die Ursache in der Umgebung“. Ich glaube man kann den Grundsatz auch auf den gesamten Organismus umlegen, der ja aus Zellen besteht. Würde heißen, wenn wir eine gesunde, heilsame, „artgerechte“ Umgebung schaffen, sei es im Hinblick auf soziale Aspekte oder was die direkte Umwelt betrifft, dann kann die Menschheit darin wachsen und ihr volles geistiges Potential entfalten. Und dann stehen uns alle Tore offen!

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