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Hedonismus, Eifersucht und Fairness

Februar 22, 2012

In einer globalen Welt haben wir gelernt, dass eine Aktion auf der nördlichen Hemisphäre unweigerlich eine Reaktion auf der südlichen zur Folge hat. Wenn man nun sehenden Auges durch das Leben gehen will, würde das bedeuten, dass ich in meinem täglichen Tun die Folgen meines Handelns für die gesamte Welt beachten sollte. Was also bis vor einiger Zeit nur im Kleinen, wie der Familie, des Ortes, des Staates galt, ist nunmehr weltweit gültig. So wurde vor kurzem in einem der letzten naturbelassenen Reservaten dieser Erde, im Amazonas Regenwald, die Luft mittels Laser analysiert. Hier wurden deutlich erhöhte Emissionen aus Bränden in Afrika gemessen; mit eindeutiger Auswirkung auf den Mikrokosmos dieser Region. Und dabei sprechen wir noch nicht einmal von den kompliziert verknüpften Produktionsstrategien, Finanzstrategien und Rechtsgrundlagen multinationaler Konzerne. Auch die Plastikpartikel Verseuchung, die bis vor 2 Jahren nur im Nordpazifik entdeckt wurde, ist nun ein Faktum in fast allen Ozeanen unserer Erde.

 Auf der anderen Seite haben wir die Hedonisten. Und es sind ihrer nicht wenige, denn wie oft hört man den Satz: aber wenn mir einfach danach ist. Dies könnte man als Hedonismus neuerer Definition sehen, sozusagen als egoistisches Handeln zur Gewinnung eigener Lust. Diese Hedonisten haben ein gutes Argument für sich. Sie wollen weg vom verbissenen und deprimierten Asketen, das Leben genießen und so zum Glück kommen. Wenn sie kritisiert werden, werden die Kritiker in die Schublade Eifersucht gesteckt. Sie sind nicht fähig, zu genießen. Vielleicht sind sie zu verkrampft, können nicht locker lassen, haben ein Kindheitstrauma oder wollen einfach nur allen ihre Lebensweise aufzwingen. Und oft werden einige dieser Argumente auch stimmen. Genauso wie es stimmen wird, dass viele Hedonisten ein sehr egoistisches Weltbild haben.

 Also wäre es schön, sich die Sache einmal möglichst objektiv anzusehen. Ein schönes Beispiel im Kleinen ist das Rauchen. Hier sind die Fronten auf beiden Seiten fast radikalisiert. Und nachdem langsam die Gegner des Rauchens Oberhand gewinnen, äußert sich dies in entsprechenden Gesetzen. Eine Zigarette zu rauchen kann mit Sicherheit als besonderer Genuss gesehen werden, also ein hedonistischer Akt. Und es gibt das Rauchen von Pflanzen wahrscheinlich seit es Menschen gibt. Woher dann dieser Sinneswandel zur Bekämpfung von Rauchern? Zuerst sollte man sich ansehen, wo der Übergang vom Genuss zur Abhängigkeit beginnt. Denn eine solche Abhängigkeit ist keine freiwillige Entscheidung zum Genuss, ich brauche ihn zum Überleben. Abhängigkeiten schränken meine eigene Freiheit ein, nicht zu sprechen von der Freiheit anderer, z.B. beim Essen keinen Rauch in der Nase zu wollen. Wenn nun eine Zigarette wirklich nur gelegentlich (z.B. beim abendlichen Lagerfeuer – in Urzeiten zurückgedacht) geraucht wird, wird dies sicher keinen Nichtraucher stören. Aber beim Raucher den Zwang dahinter zu sehen, alleine das ist wahrscheinlich bereits störend; vielleicht auch die Eifersucht, mir selbst eine Sucht nicht zu leisten. Dazu kommen dann auch Argumente wie Kosten von Erkrankungen auf Grund des Rauchens. Das leitet über zum allgemeinen Lifestyle, sagen wir hedonistischen Lifestyle: gutes Essen, gutes Trinken, Rauchen, Entspannung, Spa,…. Alle diese Dinge in kleinen Mengen genossen sind absolut verständlich und wünschenswert. Meist wird allerdings durch die Regelmäßigkeit ein ungesunder Stil eingeschliffen, der dann mit ziemlicher Sicherheit in Zivilisationskrankeiten, manchmal auch Alkoholabhängigkeiten usw. mündet. Diese müssen und wollen dann natürlich von der Allgemeinheit getragen werden. Hier wird ein ausgiebig gelebter Hedonismus zur Belastung für einen ganzen Staat, siehe AKH in Wien. Also der Wunsch nach dem geliebten Schnitzel führt bei Regelmäßigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Gefäßverkalkung und in weiterer Folge eventuell auch zum Herzinfarkt. Doch das Gesundheitssystem beginnt bereits unter den enormen Belastungen zu wanken und es werden offen Überlegungen ausgesprochen, dass ungesund lebende Personen, in diesem Fall impliziere ich den Hedonismus mit nicht immer gesunder Lebensweise, mehr in die öffentliche Kasse einzahlen sollen, sprich dass die gesund Lebenden nicht mehr die Kosten dafür bezahlen wollen.

 Ein bisschen komplexer und daher nicht so offensichtlich ist der weltweite Zusammenhang unseres Tun. So wurden wir alle darüber informiert, dass es uns nur deshalb möglich ist, so günstige I-Phones zu kaufen, weil diese unter anderem in einer Firma in China produziert werden, die ihre Mitarbeiter so unterdrückt, dass sich deshalb viele das Leben genommen haben. Das bedeutet, ich habe mit dem Kauf meines I-Phones solche Geschehnisse mitverantwortet. Und an dieser Erkenntnis führt kein Weg vorbei. Mein hedonistisches Gefühl, ich brauche für meine Lebenslust ein I-Phone, hat auf dieser Welt etwas bewirkt, und in diesem Fall etwas Negatives.

 Ich möchte jetzt wieder zurück zum Ursprung des Hedonismus im alten Griechenland. Epikur hat die Definition des Hedonismus erweitert insofern, als er meinte, die höchste Form des Lustgefühls ist der Seelenfrieden. Und dann wird klar, dass ein egoistischer Hedonist nicht jemand sein kann, der seinen Seelenfrieden gefunden hat. Denn im Unterbewusstsein wird eine mögliche Verletzung eines anderen so präsent bleiben, dass es diesen Frieden verhindert. Was also ist zu tun? Vielleicht ist der Ausweg darin zu sehen, dass man es als Hedonismus definiert, mit seinem Tun gleichzeitig auch anderen eine Freude zu machen oder ein besseres Leben zu ermöglichen. Dann hätte man zwei Fliegen auf einen Schlag: Freude am Genuss und Seelenfrieden. Wenn dann immer noch jemand eifersüchtig auf diesen Genuss sein sollte, dann ist dies sein Problem, denn für Fairness ist gesorgt.

gerhard kögler

 

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